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	<title>Cyclonara &#187; übersetzen</title>
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	<description>Mit Fahrrad und Kamera durch Südkorea und Japan</description>
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		<title>die 13te Woche</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Aug 2011 19:25:41 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[<p>Es wird langsam wirklich Zeit, über meine neue Arbeit zu erzählen. Schließlich handelt es sich, wie bereits erwähnt, nur um eine projektbasierte Stelle, und wir nähern uns langsam aber sicher bereits dem Ende unseres Projekts. Die Firma, in der ich arbeite, betreibt, wie bereits in Woche acht kurz beschrieben, sogenanntes Linguistic Videogame testing. Die Zeiten, &#8230; </p><p><a class="more-link block-button" href="https://www.cyclonara.de/die-13-woche/">Weiterlesen &#187;</a></p><p>The post <a href="https://www.cyclonara.de/die-13-woche/">die 13te Woche</a> appeared first on <a href="https://www.cyclonara.de">Cyclonara</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es wird langsam wirklich Zeit, über meine neue Arbeit zu erzählen. Schließlich handelt es sich, wie bereits erwähnt, nur um eine projektbasierte Stelle, und wir nähern uns langsam aber sicher bereits dem Ende unseres Projekts.</p>
<p>Die Firma, in der ich arbeite, betreibt, wie bereits in Woche acht kurz beschrieben, sogenanntes Linguistic Videogame testing. Die Zeiten, in der wir Vollpreis-Videospiele nur in der Sprache aus dessen Ursprungsland bekommen, sind zum Glück seit den Neunzigern vorbei. Spiele werden übersetzt und auf die Kultur des jeweiligen Markts angepasst. Diesen Vorgang nennt man Lokalisierung.</p>
<p>Mit einer einfachen Übersetzung sämtlicher Anleitungs- und Spieletexte ist es nicht getan. In jeder Kultur gibt es kleine aber doch feine Unterschiede, die bei unzureichender Anpassung eines Spiels teilweise zu großen Missverständnissen oder sogar zu Provokationen führen können.</p>
<p>Einige Beispiele:</p>
<p><strong>Kulturelle oder geschichtsbedingte Unterschiede</strong></p>
<p>Im Beat &#8216;em up XY gibt es einen Move, namens Super SS. Selbstverständlich kann der Name in der deutschen Version nicht eins zu eins übernommen werden.</p>
<p><strong>Maßeinheiten</strong></p>
<p>Während in den U.S.A. oder im U.K. Gallonen, Grad Fahrenheit, Fuß und Meilen vorherrschen, zählt bei uns das metrische System. Die Anpassung stellt in Texten kein Problem dar, doch für Tacho und Thermometer – also Skalen, die in Echtzeit berechnet werden &#8211; müssen komplett neue Algorithmen programmiert werden.</p>
<p><strong>Gedichte und Wortspiele&#8230; </strong></p>
<p>&#8230;sind sicherlich eine der größten Herausforderungen eines jeden „Lokalisten“ ;) Einerseits möchte man den Reim bzw. Witz erhalten, andererseits darf der Sinn natürlich nicht verloren gehen. Ein Problem, das auch die Filmindustrie hat. Hier ein Beispiel aus dem James Bond Streifen <a href="http://www.imdb.de/title/tt0079574/" target="_blank">Moonraker</a>, dass man auch passende Übersetzungen für Wortspiele finden kann:</p>
<p>Why did you stop the flirt with my King python?</p>
<p>Warum haben sie den Flirt mit meienr Königsphyton unterbrochen?</p>
<p>I thought she had a crush on me!</p>
<p>Weil ich dachte, dass sie mich aus Liebe fast erdrücken würde!</p>
<p>Gedichte und Liedtexte der Disneyfilme werden gerne als Paradebeispiele der Lokalisierung aufgeführt. Doch auch die schon etwas in die Jahre gekommene Oddworldreihe hat bewiesen, dass sich Videospiele nicht vor der Filmindustrie verstecken müssen.</p>
<p>Die Lokalisation geschieht beinahe zeitgleich mit der Erstellung des Grundgerüsts des Spiels, also verhältnismäßig früh in der Entwicklungsphase. Schließlich ist das Skript bereits verfasst, sodass die Lokaagenturen mit der Übersetzung beginnen können. So arbeiten die Programmiererteams von Anfang an nicht nur an einer Version des Spiels, sondern an allen Versionen, in deren Sprachen das Spiel veröffentlicht wird.</p>
<p>Jetzt kommen die Linguistic Tester ins Spiel. Unsere Aufgabe ist es, sämtliche Dialoge, sämtliche Menüs, jeden Inhalt, der übersetzt und angepasst wurde, auf Semantik-, Grammatik-, Formatierungs-, Terminologie-, Rechtschreib- und kulturbedingte Fehler hin zu überprüfen.</p>
<p>Theoretisch müsste jeder Tester nun das Spiel komplett durchspielen und sämtliche Menüs und Untermenüs überprüfen. Damit der Publisher nicht zu viel Stundenlöhne an uns Tester zu zahlen hat, werden uns Cheats vom Entwickler zur Verfügung gestellt, mit denen wir per Knopfdruck gegen jeden Gegner gewinnen oder – sollte es der Test verlangen – auch verlieren können. Auch gibt es Cheats mit denen die einzelen Levels direkt angesteuert werden können.</p>
<p>Im Großen und Ganzen ist jetzt klar, wie das Linguistic testing funktioniert. Doch wie sieht es im Detail aus?</p>
<p>Getestet wird auf sogenannten Debug-Konsolen, welche die Studios nur vom Hersteller direkt beziehen können. Damit ist es möglich, Spiele auszuführen, die sich im Entwicklungsstadium befinden. Die einzelnen in Entwicklung befindlichen Versionen eines Spiels nennt man Build. Liegt der erste Build auf dem Tisch, spricht man sich mit seinem Team ab, wer welchen Spielmodus bzw. welche Menüpunkte samt Untermenüs überprüft. Jede Sprache bildet hierbei ein Team, deren einzelne Glieder an jeweils unterschiedlichen Plattformen (PC, Konsole, Handheld) sitzen. Denn mit Ausnahme von Exklusiventwicklungen wird heute kein Vollpreiskonsolenspiel mehr nur für ein einziges System entwickelt.</p>
<p>Welche Arten von Bugs gibt es? Um die Frage kurz zu beantworten: Viele! Zu viele, um sie hier zu alle zu beschreiben. Aber die die wesentlichsten sollen genannt werden: crashes, freezer und blocker.</p>
<p><strong>Crash</strong></p>
<p>Das System stürzt bei einer bestimmten Stelle einfach ab.</p>
<p><strong>Freezer</strong></p>
<p>Das System friert bei einer bestimmten Stelle einfach ein.</p>
<p><strong>Blocker</strong></p>
<p>Man ist in einer Situation oder einem Menüpunkt im Spiel festgefahren, kann vielleicht ein paar Schritte vor oder zurück, doch kommt im Wesentlichen nicht mehr aus dem Menü oder der Situation heraus, da bei der Programmierung einfach etwas nicht bedacht wurde. Das Programm läuft zwar weiterhin stabil, aber es bleibt einem nichts weiter übrig, als das System auszuschalten.</p>
<p>Sämtliche Bugs dieser Kategorie haben bis zum Release höchste Priorität und müssen beseitigt werden. Selbst wenn diese Bugs nicht viel mit Sprachen zu tun haben, werden sie auch von Linguistik Testern gemeldet, da sie den Tester daran hindern, das Spiel weiter zu überprüfen. Aber natürlich liegt die Priorität des Linguistik Testers beim überprüfen der Spieltexte. Hier sind folgende Bugs die wesentlichsten:</p>
<p><strong>Incorrect string, </strong></p>
<p><strong>translation</strong> oder</p>
<p><strong>incorrect formatting. </strong></p>
<p>Sind die Übersetzungen an der richtigen Stelle im Spiel? Gibt es Rechtschreibfehler?</p>
<p>Wurden einige Texte vergessen und befindet sich noch ein Platzhalter oder der Originalsprachtext an einer Stelle?</p>
<p>Formatierungsfehler erhalten eine niedrigere Priorität. Ein Beispiel wäre, dass ein Text zwar korrekt in einer Textbox angezeigt aber gestaucht dargestellt wird, da er zu lang ist.</p>
<p>Auch muss überprüft werden, ob an bestimmten Stellen die richtige Symbol- oder Buchstabengrafik gezeigt wird. Des Testers „größte Freude“ ist hier momentan die <a href="http://www.nintendo.de/NOE/de_DE/systems/ueber_wii_1069.html" target="_blank">Nintendo Wii</a>. Denn sämtliche Menüs müssen drei mal überprüft werden. Warum? Die <a href="http://www.nintendo.de/NOE/de_DE/systems/ueber_wii_1069.html" target="_blank">Wii</a> hat drei verschiedene Joypadanschlussmöglichkeiten. Die alten <a href="http://www.nintendo.de/NOE/de_DE/systems/nintendo_gamecube_1146.html" target="_blank">Gamecube</a> Joypads, die <a href="http://www.nintendo.de/NOE/de_DE/systems/zubehoer_1243.html" target="_blank">Wii mote</a> samt <a href="http://www.nintendo.de/NOE/de_DE/systems/zubehoer_1243.html" target="_blank">Nunchuck</a> und den <a href="http://www.nintendo.de/NOE/de_DE/systems/zubehoer_1243.html" target="_blank">Classic Controller</a>. So muss also jedes Menü überprüft werden, ob auch wirklich die richtigen Tastengrafiken dargestellt werden, je nachdem, welches Eingabegerät verwendet wird. Und natürlich müssen die Grafiken auch auf die Systemzugehörigkeit überprüft werden. Nintendo würde wenig begeistert sein, wäre in einem <a href="http://www.nintendo.de/NOE/de_DE/systems/ueber_wii_1069.html" target="_blank">Wii</a> Spiel folgende Aufforderung zu lesen: „Drücke die X-taste um fortzufahren oder die O-taste um abzubrechen.“ (X- und O-Tasten gibt es nur auf dem Joypad für SONYs Playstation) Auch mag ein eingegebener Text auf der hochauflösenden <a href="http://de.playstation.com/ps3/" target="_blank">Playstation 3</a>- oder in der <a href="http://www.xbox.com/de-DE/xbox360" target="_blank">Xbox 360</a>-Version wunderbar zu lesen sein. Auf der PAL-Auflösung der Wii erkennt man allerdings nur eine schwammige Linie. Hier kommt der sogenannte Crosscheck ins Spiel. Nach ausgiebigem Testen werden gegen Tagesende sämtliche eingegebenen Bugs darauf hin überprüft, ob sie auch auf die anderen Plattformen bzw. auf andere Sprachversionen übertragbar sind. Blocker können meist für alle Versionen berichtet werden, da es sich schließlich um eine Fehler bei der Programmierung einer Situation handelt, die höchstwahrscheinlich in allen Spieleversionen die gleiche sein wird. Schwieriger wird es allerdings schon bei Freezer oder Crashes. Friert das System ein, weil der Code unzureichend auf das jeweilige System angepasst worden ist, oder weil bereits bei der Programmierung des Grundgerüst ein Fehler unterlaufen ist? Wurde eine Zeile nur in der deutschen Version falsch übersetzt, oder hat sich bereits im Skript ein Fehler eingeschlichen und alle Versionen zeigen in einer bestimmten Situation den falschen Text an?</p>
<p>Warum testet man Sprachmenüs überhaupt während der Entwicklungsphase? Wäre es nicht einfacher, das Spiel erst einmal fertigzustellen und dann alles zu überprüfen? So möchte man meinen, doch es gibt beispielsweise Bereiche, die in einer Sprache mit einem Stichwort erklärt werden, deren Beschreibung in einer anderen Sprache aber drei Zeilen verschlingt. Dass man hier nur für eine Sprachversion ein größeres Menüfenster programmiert wird nicht passieren. Dann wird entweder das Textfenster für alle Versionen etwas vergrößert oder versucht den Text in der Sprache zu kürzen, in der er zu lang ist. Es treten also Fehler auf, die nach Änderungen am Code verlangen. Schwer möglich bei einem abgeschlossenem Spiel. Auch kommt es vor, dass sich einige Menüs nach der Lokalisierung noch ändern oder nachträglich neue Menüs oder Bereiche hinzugefügt werden. Diese Übersetzungsarbeiten führen dann meist nicht mehr die Lokaagenturen, sondern die Linguistic Test Studios aus.</p>
<p>Wie geht es nun weiter mit den gemeldeten Bugs? Die meisten Entwickler nutzen eine verschlüsselte Onlinedatenbank, um den Entwicklungsfortschritt ihres Produkts zu überwachen. Es hat zum Vorteil, dass sich der Fortschritt von überall auf der Welt einsehen lässt. So können die Tester beispielsweise in Kanada sitzen, wohingegen sich das Entwicklerstudio in in Japan befindet, ohne dass die Produktivität darunter leidet. Dem Entwicklerteam liegt nun die Liste der Bugs vor und sie machen sich an die Korrekturarbeiten. Sobald die Fehler von dem Team beseitigt worden sind, oder sobald die Programmierer der Meinung sind, den Fehler behoben zu haben, wird der Ball wieder an das Testteam zurück gespielt. Denn auch wenn die Bugs sehr genau beschrieben sind, ist nicht immer klar, ob ein Fehler auch wirklich behoben wurde. Sobald die Tester dann die Liste der Korrekturen erhalten haben, werden die Bugs auf ihre Beseitigung hin überprüft. Ist kein Unterschied festzustellen oder ist die Änderung für den Tester unzureichend, bleibt der Bug in der Datenbank bestehen oder wird ggf. um eine detailliertere Beschreibung ergänzt. Dieses Prozedur setzt sich fort bis der letzte Bug beseitigt ist.</p>
<p>Welche Atmosphäre herrscht in so einem Unternehmen? Etwas abschreckend wirkt auf den ersten Blick die Tatsache, dass man nirgendwo ohne RFID-Chip-Schlüsselkarte Zugang hat. Auch hat jeder Tester ein eigenes Schließfach, da jeglicher Datenträger draußen bleiben muss. Das gilt sowohl für Handys als auch für mp3-Player. Kameras sind absolutes Tabu. Und die Kommunikation zur Außenwelt? Der Arbeitsplatz des Videospieletesters ist einer der wenigen Büroarbeitsplätze, der tatsächlich ohne Telefon auskommt. Emails können nur an vom Administrator genehmigte Mailadressen gesendet werden. Und wer darauf hofft, sich in den Pausen sich xxx-Seiten zusätzliche Entspannung zu verschaffen wird schwer enttäuscht. Auch hier können nur vom Admin genehmigte Seiten aufgerufen werden. So ein Pech aber auch&#8230; Mit anderen Worten ist es äußerst schwer das zu testende Spiel unbemerkt aus dem Büro oder ins Internet zu schleusen.</p>
<p>Und welche Arbeitsatmosphäre herrscht dort? Tester sind ein junges Volk, selten über dreißig Jahre. Wer nebenbei noch seine Fremdsprache(n) auf dem neuesten Stand halten will, freut sich bei diesem Job zusätzlich über einen kostenlosen Konversationskurs. Die Italiener wundern sich in ihrer Sprache über Berlusconis neueste „Errungenschaften“, der Typ am Arbeitsplatz hinter mir kommt mir spanisch vor, zu meiner linken flucht einer auf Französisch&#8230; Mit anderen Worten: Wir sind ein krankes Volk! Aber es macht uns Spaß, krank zu sein.</p>
<p>Welche Qualifikationen braucht man für diesen Job? Natürlich gute Deutschkenntnisse. Denn allerspätestens beim Vorstellungsgespräch wird man einem zehnseitigen (!)</p>
<p>Deutschtest unterzogen. Sämtliche Bugs werden in Englisch berichtet. Folglich sind auch sehr gute Englischkenntnisse vonnöten. Das Vorstellungsgespräch wird in Englisch geführt. Wie in jedem Büroberuf sind auch hier gute Officesoftwarekenntnisse Voraussetzung. Und zu guter Letzt sollte man natürlich wissen, wie man ein Joypad richtig hält. Die Einweisung in die Datenbank ist schnell erlernt. Kenntnisse im Bereich von Grafik- oder Videobearbeitung sind von Vorteil, können aber auch während der ersten Woche vermittelt werden.</p>
<p>Welches Gehalt kann man in Japan für so einen Job erwarten? Je nach Region natürlich etwas unterschiedlich. Es sollte nicht unter 1.300 Yen pro Stunde liegen. In der Regel pendeln die Löhne um die 1.500 Yen pro Stunde. Getestet wird Vollzeit in einer 40 Stundenwoche. Bei hohem Arbeitsaufkommen auch Samstags und Sonntags!</p>
<p>Wer nun auf einen Linguistic Testerjob Lust bekommen hat, und dies mit einem work and travel/workin holiday Aufenthalt in Japan verbinden möchte, hier zwei Links:</p>
<p><a href="http://www.enzyme.org/index.php?id=75&amp;L=1">http://www.uniconpro.co.jp/de/recruit.html</a></p>
<p><a href="http://www.enzyme.org/index.php?id=75&amp;L=1">http://www.enzyme.org/index.php?id=75&amp;L=1</a></p>
<p><em><em>Besonderen Dank an: Hubertus Neidhart vom <a href="http://www.wpn.de/">Deutschen Webspace Provider Network</a> für den exzellenten Service, Lilith Pendzich, Brandon Lamb, U.S.A.</em></em></p>
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		<title>die achte Woche</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Aug 2011 11:46:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[<p>Es ist manchmal schon erstaunlich, wie sich manche Dinge verändern, wenn man eine Reise in ein fernes Land antritt. Ich bin also nun zwei Monate hier und habe die größten Kulturschocks bereits hinter mir. So langsam beginnt hier der Alltag für mich. Von wegen&#8230; Da ich ja bisher nur eine Halbtagsstelle als Englischlehrer in einer &#8230; </p><p><a class="more-link block-button" href="https://www.cyclonara.de/die-neunte-woche/">Weiterlesen &#187;</a></p><p>The post <a href="https://www.cyclonara.de/die-neunte-woche/">die achte Woche</a> appeared first on <a href="https://www.cyclonara.de">Cyclonara</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist manchmal schon erstaunlich, wie sich manche Dinge verändern, wenn man eine Reise in ein fernes Land antritt. Ich bin also nun zwei Monate hier und habe die größten Kulturschocks bereits hinter mir. So langsam beginnt hier der Alltag für mich. Von wegen&#8230;</p>
<p>Da ich ja bisher nur eine Halbtagsstelle als Englischlehrer in einer Nachmittagskinderbetreuung habe, bewerbe ich mich für weitere Jobs. Den interessantesten Job von allen hat Brandon für mich entdeckt, der bereits zum zweiten mal mein Gastbeber ist. Er scheint es sehr gelassen zu nehmen, obwohl wir uns ein 16 m² Zimmer teilen. Es gibt hier mehrere Lokalisierungsagenturen, die Videospiele in der Entwicklungsphase testen und zusätzlich übersetzen bzw. die Inhalte auf Übersetzungsfehler hin überprüfen. Da ich bereits mehrjährige Erfahrung in der Videospielebranche habe, habe ich mich bei gleich zwei sogenannten Linguistic Test Agenturen beworben, die deutsche Muttersprachler suchen. Im Gegensatz zu meinem Job als Englischlehrer verstehe ich natürlich, dass in so einem Fall nur Muttersprachler in Frage kommen. Tatsächlich melden sich beide Agenturen und schicken mir einen Deutschtest für den mir die eine Firma zwei Wochen, die andere ein Wochenende Zeit gibt.</p>
<p>Gleich nach Zusendung via Mail am Montag Morgen werde ich für den nächsten Tag zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich sehe mir die Firmenwebseite genauer an und sehe, dass sie ihre Hauptniederlassung in Kanada und zwei weitere Geschäftsstellen in Madrid eben hier nahe <a href="http://www.city.kawasaki.jp/index_e.htm" target="_blank">Kawasaki</a> haben.</p>
<p>In einer kurzen Mail sage ich zu und bitte für einen etwas legereren Kleidungsstil für das Vorstellungsgespräch um Verständnis, da mein Anzug noch auf dem Weg von Deutschland nach Japan wäre :-) Die Antwort kommt prompt und legitimiert mich dazu, in einem zwanglosem Kleidungsstil zu erscheinen.</p>
<p>Es ist ein heißer, strahlend sonniger Dienstag und ich mache mich für das Vorstellungsgespräch von meinem jetzigen Gastgeber von <a href="http://www.koedo.or.jp/foreign/english/index.html" target="_blank">Kawagoe</a> in der Präfektur <a href="http://www.jnto.go.jp/eng/location/regional/saitama/index.html" target="_blank">Saitama</a> auf den Weg zur <a href="http://www.kanagawa-kankou.or.jp/index-e.html" target="_blank">Kanagawa</a> Präfektur nach Saginuma. Dazu muss ich praktisch komplett Tokyo (Metropole und Präfektur) durchqueren. Zwar bin ich überpünktlich am Zielbahnhof aber auf dem Fußweg zum Vorstellungsgespräch verirre ich mich natürlich mal wieder. Ich befinde mich scheinbar 10 min. vom Büro entfernt und es wären aber laut Wegbeschreibung der Firma nur 2 Minuten. Ich mag zwar heißes Wetter, aber heute ist es alles andere als passend. Durch das Herumgeirre komme ich schon sehr ins Schwitzen. Als die Zeit knapp wird, halte ich nach einem Taxi Ausschau. Natürlich sieht man nie eins, wenn man es braucht. Ich soll um 15:00 zum Gespräch erscheinen und es ist fünf vor. Wow, es sieht so aus als würde ich selbst hier in Japan meinem Motto „10 Minuten nach der Zeit beginnt des Pendzichs Pünktlichkeit“ gerecht werden. (<span style="font-family: Times New Roman,serif;">©</span><span style="font-family: Times New Roman,serif;"> by Christoph Flossmann</span>) Nein &#8230; leider werde ich dem dieses mal doch nicht gerecht. Was noch cooler ist, ist die Tatsache, dass ich  kein Bargeld dabei habe und das Taxi, welches ich gerade angehalten habe, keine Kreditkarten akzeptiert. Um sie über meine Verspätung zu informieren, rufe die Agentur an. Dabei denke ich mir: „Eigentlich wäre es doch am besten, wenn ein Japaner die Adresse der Agentur dem Taxifahrer nennen könnte“. Also nutze ich doch gleich die Gelegenheit und frage den Firmenchef, ob er mir diesbezüglich nicht helfen könne. Ich reiche das Handy an den Taxifahrer weiter, er erhält eine detaillierte Wegbeschreibung und reicht das Handy zurück. „Ach ja, da wäre noch eine Sache“, sage ich wieder am Telefon zum Firmenchef, „Könnten Sie mir vielleicht noch bei einem Problem aushelfen? Ich habe kein Bargeld könnten Sie mir ggf. die Taxifahrt zahlen und ich begleiche dies dann später?“&#8230;</p>
<p>Mit 20-minütiger Verspätung erscheine ich zum Vorstellungsgespräch. Scheinbar eher amüsiert und weniger brüskiert sind der Chef und Personalchefin über die Art meiner Ankunft. Allerdings auch ein wenig schockiert über mein mein Erscheinungsbild. Ich bin total verschwitzt. Mein Hemd ist ein einziger Waschlappen. Und ich meine einen nicht ausgewrungenen. Kein Bereich des Hemdes zeigt auch nur eine einzige trockene Stelle. Es ist so nass, dass es praktisch überall an meiner Haut klebt. Hm&#8230; Ich glaube den Kommentar – „Ich dachte es handelt sich um eine Bewerbung als Model für ein Wet shirt contest.“, spare ich mir hier wohl lieber. Vielleicht sollte ich auf deren Frage hin, ob alles okay sei, auch nicht in Bruce-Willis-Manier antworten: „Hm?“, etwas verdutzt schauen, “Ah, ja, ja, heute ist Waschtag!“</p>
<p>Ich bin mir durchaus bewusst, dass das kein Glanzstart für einen neuen Job ist und nachdem mir erläutert wurde, was meine Aufgaben wären muss ich scheinbar schon die nächste Skurrilität erklären und scheine den Geschäftsführer damit wohl endgültig zu verwirren: „Also Moment, Sie sind bereits seit fast zwei Monaten in Japan, sind auf eine Adresse registriert bei der Sie nur gelegentlich wohnen?“</p>
<p>„Ja, so ungefähr?“, antworte ich.</p>
<p>„Also gut, solange Sie nicht so spät wie zum heutigen Termin zur Arbeit erscheinen, hat unsere Firma damit kein Problem. Aber wie berechnen wir denn dann Ihre Anfahrtskosten, die wir Ihnen ja erstatten würden? Und an welche Adresse sollen wir Briefe schicken? Und könnten Sie sofort anfangen? Sie wissen ja, dass es sich um eine Vollzeitstelle handelt.“</p>
<p>„Moment, ich dachte es ist projektbasierte Arbeit mit flexiblen Arbeitsstunden ähnlich wie bei den Sprachschulen hier.“, frage ich.</p>
<p>„Nein, wir würden Sie Vollzeit beschäftigen! Da führt kein Weg dran vorbei!“, antwortet er.</p>
<p>„Also, ich habe aber schon einen Vertrag für einen Teilzeitjob als Englischlehrer unterschrieben. Und der läuft bis März nächsten Jahres&#8230; Also gut. Nehmen wir mal an, ich wäre bereit den Job als Englischlehrer aufzugeben vorausgesetzt die Kita würde der Vertragsannullierung zustimmen. Könnten wir so eine Lösung finden?“, frage ich.</p>
<p>„Also da wir sehr kurzfristig jemanden suchen, entscheiden wir uns noch heute zwischen unseren Bewerbern, und könnten ihnen dann Bescheid geben. Sollten wir uns für Sie entscheiden, würden wir Ihnen natürlich ein, zwei Tage Zeit geben um die Sache mit Ihrem Lehrerjob zu klären. Solange würden wir den anderen Bewerbern noch nicht absagen. Heute ist Dienstag könnten Sie denn schon nächsten Montag hier anfangen?“, möchte er wissen.</p>
<p>„Also wie gesagt ich muss das auch noch mit der Kita besprechen. Aber ich könnte Ihnen sicherlich morgen schon Bescheid geben.“ sage ich.</p>
<p>„Gut, da wir dringend jemanden suchen, den wir zum schnellstmöglichen Zeitpunkt einstellen können, werden wir uns schon heute Abend entscheiden, sodass Sie alles in die Wege leiten können, sollten wir uns für Sie entscheiden. Also dann alles Gute!“, begleitet er mich zur Tür.</p>
<p>„Die nehmen mich sowieso nicht, so verplant, verspätet und verschwitzt wie ich dort aufgetaucht bin und unter welchen Kriterien es überhaupt zu einer Einstellung kommen kann.“, denke ich mir als ich gerade auf dem Heimweg durch den U-Bahnhof von Shibuya schlendere und gerade mein Handy klingelt: „Hallo, Pendzich San hier ist <a href="http://www.enzyme.org/" target="_blank">Enzyme</a>, wir würden Sie gerne bei uns einstellen &#8230;</p>
<p>Wow, ziemlich cool! Was für ein cooler Job! Aber auf der anderen Seite. Was ist mit den Kids in der Kita? Sie sind mir richtig ans Herz gewachsen und den netten Kitachef will ich auch nicht im Stich lassen müssen.</p>
<p>Mittwochs arbeite ich zwar nicht in der Kita, aber schließlich bittet man ja den Chef nicht telefonisch, in einer Email oder via um vorzeitige Vertragsauflösung also mache ich mich somit auf den Weg zur Kita.</p>
<p>Dort angekommen bitte ich den Chef um ein persönliches Gespräch. Ich erkläre ihm meine Situation, dass mir die Entscheidung auch sehr schwer gefallen ist, ich aber darum bitte den den Arbeitsvertrag ohne die einmonatige Kündigungsfrist beenden zu können. Als zusätzliche Bestechung und gleichzeitige Entschuldigung überreiche ich ihm noch eine Flasche Wein.</p>
<p>Man sieht meinem Chef, Kuba San, an, dass er nicht gerade begeistert ist, dass er sich nach nur einem Monat wieder einen neuen Lehrer suchen darf. Mit japanischer Höflichkeit akzeptiert Kuba San meine Entscheidung. Ich sage ihm noch, dass mir für den neuen Job angeboten wurde eine Übergangszeit wahrzunehmen. Kuba San wird hellhörig. Zwei Wochen lang könnte ich noch halbtags unterrichten. Er bittet mich darum die zwei Wochen noch zu unterrichten. „Das mache ich gerne!“, erwidere ich, „Und nochmals Entschuldigung.“</p>
<p>Es scheint, als müsse ich mich also auf einen neuen Alltag einstellen. Ich bin schon gespannt, was mich nächste Woche erwartet.</p>
<div id="attachment_203" style="width: 608px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://pendzichpictures.de/wp-content/uploads/2011/08/DSC04167.jpg"><img class="size-full wp-image-203 " title="Verräter" src="http://pendzichpictures.de/wp-content/uploads/2011/08/DSC04167.jpg" alt="Verräter, Du wolltest bis März nächsten Jahres bleiben!!!" width="598" height="338" /></a><p class="wp-caption-text">Verräter, Du wolltest bis März nächsten Jahres bleiben!!!</p></div>
<div id="attachment_204" style="width: 630px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://pendzichpictures.de/wp-content/uploads/2011/08/DSC04171.jpg"><img class="size-full wp-image-204" title="Abschied" src="http://pendzichpictures.de/wp-content/uploads/2011/08/DSC04171.jpg" alt="Der Abschied fällt schwer... Man sieht es an meinem Grinsen ;)" width="620" height="351" /></a><p class="wp-caption-text">Der Abschied fällt schwer... Man sieht es an meinem Grinsen ;)</p></div>
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